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26.02.2010Schülerinnen und Schüler aus Peru besuchen ehemalige Deponie „Krähe“
Das Entsorgungszentrum Nienburg (EZN) gilt nicht unbedingt als klassisches Ausflugsziel. Trotzdem haben viele Gruppen – von Schulklassen über die Landfrauen bis zu Kunststudenten aus Weißrussland – der ehemaligen Deponie schon einen Besuch abgestattet und sich über das ausgefeilte System der Abfallentsorgung im Landkreis Nienburg ein Bild gemacht. Künftig aber findet sich das EZN sogar in peruanischen Fotoalben.
In Peru ist manches anders. Zum Beispiel ist dort jetzt Sommer. Und Mülltrennung gibt es im Grunde nicht, noch nicht einmal eine ordentliche Müllabfuhr, verriet Tamara Farah: Sie besucht wie ihre Kollegen die Max-Uhle-Schule in Arequipa, der zweitgrößten Stadt Perus, und ist zurzeit Gastschülerin am Marion-Dönhoff-Gymnasium. Während ihrer Zeit in Nienburg sind die Jungen und Mädchen bei Gastfamilien untergebracht. An der Max-Uhle-Schule ist Deutsch erste Fremdsprache; der Besuch in Deutschland soll vor allem die schon erworbenen Sprachkenntnisse vertiefen, aber auch dem kulturellen Austausch dienen.
In Peru hat die Schule einen guten Ruf; viele Absolventen machen Karriere in Wirtschaft und Politik. Die Schülerinnen und Schüler blicken also sicher eher über den Tellerrand hinaus als die meisten ihrer Altersgenossen; dennoch war BAWN-Abfallberater Thomas Schniering, der mit seiner Frau Katrin die 16-jährige Tamara für einige Wochen aufgenommen hat, etwas überrascht, als ihn die Schülerin fragte, ob sie und ihre Schulkameraden sich nicht einmal die Nienburger Deponie angucken könnten?
Das ließ sich der Abfall-Fachmann natürlich nicht zweimal fragen, und die jungen Peruaner kamen aus dem Staunen kaum heraus. Zwischen der „Abfallwirtschaft" ihrer Heimat und der in Deutschland liegen Welten, berichtete der 18-jährige Patricio: „In Peru wird der Müll meist einfach weggeschmissen. Es gibt zwar auch Mülleimer, aber nicht viele, nicht genug." Der Abfall werde zum Teil von armen Menschen, die dafür bezahlt würden, gesammelt und weggebracht - entweder auf eine Müllkippe außerhalb der Stadt oder verbrannt. Mülltrennung ist weitgehend unbekannt; außer an der „Max-Uhle-Schule": „Deutschland ist unser Vorbild. Bei uns wird der Müll getrennt."
Den Jugendlichen ist die Umweltproblematik, in der sich ihr Land und die Nachbarstaaten befinden, durchaus bewusst. Nicht nur, dass sie der überall verstreute Müll stört, sie sorgen sich auch um die Gifte, die von den wild entsorgten Abfällen ausgehen. Doch der Staat setzt andere Prioritäten: „Das liegt sicher an der wirtschaftlichen Situation. Es wird als wichtiger angesehen, etwas für die Bildung zu tun", meint Patricio.
Vor diesem Hintergrund folgten die Jugendlichen den Ausführungen von Abfall-Fachmann Thomas Schniering mit ungeteiltem Interesse. So reagierten sie beinahe ungläubig auf den Umstand, dass im Landkreis Nienburg keine Abfälle mehr deponiert werden: „Die Abfälle werden sortiert und so weit wie möglich wiederverwendet. Was nicht wiederverwendet werden kann, wird in Bremen verbrannt", erläuterte Thomas Schniering das Prozedere. „Die bei der Verbrennung gewonnene Energie dient der Versorgung tausender Haushalte. Dabei wird größter Wert auf den Umweltschutz gelegt. Es gibt strengste Auflagen, die auch genau überwacht werden." Am Ende, so Schniering, bleibt nur ein kleiner Rest, der tatsächlich deponiert wird.
Das war für die südamerikanischen Gäste schon erstaunlich genug. Noch erstaunter waren sie allerdings, als Thomas Schniering anschaulich erläuterte, was alles recycelt werden kann und wird. „Müll ist nicht einfach Müll. Alte Handys und Computer enthalten einerseits gefährliche Giftstoffe, andererseits wertvolle Metalle, sogar Gold und Platin. Aus altem Papier lassen sich Kartons oder Öko-Papier herstellen. Flaschen und Dosen lassen sich recyceln."
Fazit der südamerikanischen Besuchergruppe: „Deutschland ist kalt aber schön! Und vor allem sauber!"
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